Donorcycling

19. Juli 2010

Ja, ich geb zu, meine Affinität zu englischen Überschriften ist erheblich.

Und heute auch noch ein Kofferwort, Au Weia!

Weiß jemand eigentlich damit was anzufangen? Man nennt Donorcycles auch nicht weniger euphemistisch „Mobile Organspende“ oder „Hirntodrad“ 🙂

Man ahnt es vielleicht schon, ich schreib mal wieder was aus der Welt des Rettungswesens. Heute über meinen ersten Motorradunfall in diesem Jahr.

Und im Gegensatz zu denen, die ich in den letzten Jahren versorgt hatte, war dies ein richtiger „Kracher“.

Sonst gab es immer nur leichte SHT, kaputte Sprunggelenke oder nur Verbrennungen, weil die sinnvollerweise angelegte Schutzkleidung etwas heiß wurde, wenn man sich mit 160 ledert.

Diesmal aber gab es 2mal schwer und einmal mittel, letzterewr war der beteiligte Pkw.

Und um es gleich vorweg zu stellen: Nein, diesmal war wirklich der Kradfahrer schuld und zwar mit einer Nummer, mit der vor Jahren mein Vater beinahe in die ewigen Jagdgründe eingegangen wäre.

Pkw biegt links ab und wird von Motorrad mit [Amtsdeutsch]nicht angepaßter Geschwindigkeit[/Amtsdeutsch] links auf der Gegenspur überholt.

Das Ergebnis waren dann ein zerdrückter Kleinwagen, ein Motorrad (vermutlich Kawasaki, der Farbe wegen) mit einem Radstand von 20 Zentimetern, ein Kraftfahrer mit Frakturen und Prellungen der linken Seite und ein zwei Motorradheizer, bei denen man im Prinzip das DIVI Trauma-Männchen im Protokoll komplett mit „Fx“ überschreiben konnte.

Der Patient, den wir hatten, war damals vermutet der Sozius, da er noch ansprechbar fast 10 Meter vom Unfallort entfernt lag und zu sechst am Boden fixiert werden mußte. Später stellte sich raus, daß er doch der Fahrer war.

Ebenjener imponierte mit einer dislozierten, proximalen Femurfraktur, die sich nach Narkoseeinleitung recht einfach reponieren ließ, dann war auch wieder ein Fußpuls tastbar. Dazu gab es noch diverse Hämatome am Thorax, eine nicht identifizierbare Blutungsquelle im Mund/Rachenbereich und die üblichen Schürfwunden, die immer dann auftreten, wenn man mit Karacho und kurzer Hose auf der Straße landet.

Dem Sozius, den ich nur kurz gesehen habe, spreche ich bis auf Weiteres die Fähigkeit ab, sich auf eigenen Beinen fortzubewegen, mehr noch, es würde mich wundern, wenn das eine Bein drangeblieben wäre. Selber Frakturort, nur offen und erheblich disloziert, dazu noch von Hüftpfanne bis Mitte Oberschenkel ein Puzzle. Er war (zu seinem Glück) bereits bewußtlos, denn solche Schmerzen kann ich mir nur als erheblich widerlich vorstellen.

Den Pkw-Fahrer hab ich nicht gesehen, hörte halt nur von den Anderen beteiligten Rettern, wie er ungefähr verletzt ist.

Achso, und ich wollte es nur nochmal erwähnen: Der Unfallverursacher, so die örtliche Rennleitung, war nicht im Besitz einer Fahrerlaubnis. Herzlichen Glückwunsch. So verbaut man sich mit Mitte Zwanzig mal eben für ein wenig Nervenkitzel die Zukunft.

Mir hat dieser Einsatz im Übrigen auch etwas gebracht: Das Sinnieren über die Wiederanschaffung eines Motorrads (meine Alte hatte 109 Pferde und machte 250 Sachen) habe ich umgehend eingestellt und bin dem Fremdmuttersprachler, der damit seine Kumpels im Osten beeindruckt dankbar, daß er mir den Hobel vor ein paar Jahren geklaut hat.

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There is always a bigger fish…

20. Juni 2010

Ich krieg ja von allen Seiten öfters mal gesagt „Au Mann, Du fährst Rettung? Ey, das is ja hart, da siehste bestimmt jede Menge. Wie kommste damit überhaupt klar?“

BULLSHIT!

Ich verweise da auf die Neuaufnahme in der blogroll, die Neonatalie.

Kinderkrankenschwesterbruder auf einer neonatalogischen IMC wäre genau der Job, mit dem ich nicht klarkommen würde, ich krieg ja schon Pipi in den Augen, wenn ich mal ne kerngesunde 35.SSW im Inkubator fahre.

Respekt!


bounceback – reloaded (Oder: Ist doch dasselbe!)

19. Mai 2010

Ich wage es ja fast nicht, die nächste Anekdote niederzuschreiben. Jemand, der nicht vom Fach ist könnte mittlerweile in die Verlegenheit kommen, beim Herannahen eines Krankentransport- oder Rettungswagens einfach nur schreiend davonzurennen, selbst wenn ein Bein ab ist.

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bounceback – Ambulance style

16. Mai 2010

88 Jahre, Sturz

So ähnlich sah die Nachricht aus, die abends auf dem Pieper stand. Ein kurzer Anruf der Leitstelle klärte auf, daß der Herr schon in den Morgenstunden die Nähe des Fußbodens gesucht hatte.

Vorbildlicherweise hatten die Angehörigen ihn selbst ins Bett gezerrt und den Notdienst der KV verständigt. Der untersuchte kurz, stellte nichts fest und fuhr wieder.

Später dann die Umentscheidung: Es geht nimmer. Und da kamen wir ins Spiel

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Retten im Akkord

24. April 2010

Man sagt, getauschte Dienste sind Scheißdienste. Meistens hat es nämlich der Dienstauschinitiator im Blut oder Urin, wenn es doof wir. Es begab sich also, daß ich letzte Woche einen Anruf vom Professor erhielt, ob ich mit einem kurzen Wechsel einverstanden bin und seinen Dienst übernehme. Da sich damit die Chance eröffnete, einmal mehr nicht mit Raumtemperatur auf der Karre zu sitzen, sagte ich sofort zu. Unter anderem auch, weil sich dadurch ein extrem langes Wochenende eröffnete. Ich hatte ja keine Ahnung…

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All in the family…

21. April 2010

Letztens berichtete ich über eine Art Wunder, nämlich die (erfolgreiche) Reanimation eines zwölfjährigen Mädchens mit halbwegs sicheren Todeszeichen.

Was ich in dem Zusammenhang verschwiegen hatte, war der Fakt, daß in der gesamten Familie eine Neigung zu Herzrythmusstörungen verbreitet war.

Der Familienvater ist vor Jahren erfolgreich reanimiert und mit einem Defi versehen worden. Die älteste Tochter der Familie verstarb vor einiger Zeit an den Folgen eines unbemerkt eingetretenen Kammerflimmerns, welches offenbar eine leichte hypoxische Hirnschädigung auslöste, diese war wiederum für cerebrale Krampfanfälle verantwortlich.

An just einem solchen Krampfanfall verstarb sie vor einigen Monaten.

Tochter Nummer Zwei hatte ich in bzw. unter den Fingern.

Und die Dritte im Bunde?

Ja, die wurde vor ein paar Tagen von meinen Kollegen nach beobachtetem Kreislaufstand im Klassenzimmer reanimiert. Und zwar erfolgreich.

Ich möchte ehrlich gesagt nicht wirklich wissen, wie es um den seelischen Zustand der Angehörigen bestellt ist.


Wie man Menschen umbringt

5. April 2010

Es klingelt der Pieper nachts um halb zwei;

ins Pflegeheim fahrn wir,  da simmer dabei.

Rein kam das ganze von dem Doc von der Kasse;

als KTW könn wir und n bissel Zeit lasse.

Geklingelt, geklingelt, erst macht keiner auf;

dann müss mer alleine auf Station hinauf.

Hört man am Aufzug das Brodeln schon;

denkt man schon gleich an ne Intubation.

Doch nee, oh stimmt ja, der Studierte war da;

und dachte, so eilig is nich mit Papa.

Die Lunge am Rasseln, das Antlitz ganz blau;

ich auf des Bürgers Einweisungsschein schau.

Der schreibt was von Pneumonie,bronchial;

doch mit der DD: Lungenödem, kardial.

Das Handy gezückt und 3 Nummern gedrückt;

schonmal Kollege zum Material holn geschickt.

Dann stehen wir da, von nun an zu viert;

machen Hell im Hals, jetzt wird intubiert.

Sättigung Scheiße, das EKG auch;

wir fahrn in die Klinik mit blau und laut.

Der Schockraum der Inneren weiß schon Bescheid;

was wir da bringen für eingewiesenes Leid.

Es wird viel gepustet, gespritzt und gedrückt;

doch es hat nichts gebracht, er ist uns entrückt.

Und die Moral von der Geschicht:

Gynäkologen fahren besser im Notdienst nicht!