Donorcycling

Ja, ich geb zu, meine Affinität zu englischen Überschriften ist erheblich.

Und heute auch noch ein Kofferwort, Au Weia!

Weiß jemand eigentlich damit was anzufangen? Man nennt Donorcycles auch nicht weniger euphemistisch „Mobile Organspende“ oder „Hirntodrad“ 🙂

Man ahnt es vielleicht schon, ich schreib mal wieder was aus der Welt des Rettungswesens. Heute über meinen ersten Motorradunfall in diesem Jahr.

Und im Gegensatz zu denen, die ich in den letzten Jahren versorgt hatte, war dies ein richtiger „Kracher“.

Sonst gab es immer nur leichte SHT, kaputte Sprunggelenke oder nur Verbrennungen, weil die sinnvollerweise angelegte Schutzkleidung etwas heiß wurde, wenn man sich mit 160 ledert.

Diesmal aber gab es 2mal schwer und einmal mittel, letzterewr war der beteiligte Pkw.

Und um es gleich vorweg zu stellen: Nein, diesmal war wirklich der Kradfahrer schuld und zwar mit einer Nummer, mit der vor Jahren mein Vater beinahe in die ewigen Jagdgründe eingegangen wäre.

Pkw biegt links ab und wird von Motorrad mit [Amtsdeutsch]nicht angepaßter Geschwindigkeit[/Amtsdeutsch] links auf der Gegenspur überholt.

Das Ergebnis waren dann ein zerdrückter Kleinwagen, ein Motorrad (vermutlich Kawasaki, der Farbe wegen) mit einem Radstand von 20 Zentimetern, ein Kraftfahrer mit Frakturen und Prellungen der linken Seite und ein zwei Motorradheizer, bei denen man im Prinzip das DIVI Trauma-Männchen im Protokoll komplett mit „Fx“ überschreiben konnte.

Der Patient, den wir hatten, war damals vermutet der Sozius, da er noch ansprechbar fast 10 Meter vom Unfallort entfernt lag und zu sechst am Boden fixiert werden mußte. Später stellte sich raus, daß er doch der Fahrer war.

Ebenjener imponierte mit einer dislozierten, proximalen Femurfraktur, die sich nach Narkoseeinleitung recht einfach reponieren ließ, dann war auch wieder ein Fußpuls tastbar. Dazu gab es noch diverse Hämatome am Thorax, eine nicht identifizierbare Blutungsquelle im Mund/Rachenbereich und die üblichen Schürfwunden, die immer dann auftreten, wenn man mit Karacho und kurzer Hose auf der Straße landet.

Dem Sozius, den ich nur kurz gesehen habe, spreche ich bis auf Weiteres die Fähigkeit ab, sich auf eigenen Beinen fortzubewegen, mehr noch, es würde mich wundern, wenn das eine Bein drangeblieben wäre. Selber Frakturort, nur offen und erheblich disloziert, dazu noch von Hüftpfanne bis Mitte Oberschenkel ein Puzzle. Er war (zu seinem Glück) bereits bewußtlos, denn solche Schmerzen kann ich mir nur als erheblich widerlich vorstellen.

Den Pkw-Fahrer hab ich nicht gesehen, hörte halt nur von den Anderen beteiligten Rettern, wie er ungefähr verletzt ist.

Achso, und ich wollte es nur nochmal erwähnen: Der Unfallverursacher, so die örtliche Rennleitung, war nicht im Besitz einer Fahrerlaubnis. Herzlichen Glückwunsch. So verbaut man sich mit Mitte Zwanzig mal eben für ein wenig Nervenkitzel die Zukunft.

Mir hat dieser Einsatz im Übrigen auch etwas gebracht: Das Sinnieren über die Wiederanschaffung eines Motorrads (meine Alte hatte 109 Pferde und machte 250 Sachen) habe ich umgehend eingestellt und bin dem Fremdmuttersprachler, der damit seine Kumpels im Osten beeindruckt dankbar, daß er mir den Hobel vor ein paar Jahren geklaut hat.

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6 Responses to Donorcycling

  1. madcynic sagt:

    Du kannst doch nicht so lebensnah solche Dinge schildern, da kriegt man doch gleich Sympathiephantomschmerzen. Jesses.

  2. SusiP sagt:

    Joh, schön beschrieben.

    Gerade am Wochenende war das Ende eine Motoradtreffens mit 20.000 Teilnehmern. Viele von denen sind auf der Autobahn an uns vorbeigerast. Mal links, mal rechts, mal stehend, auf einem Rad, das T-Shirt flattert so in Nackenhöhe. Das schrabbt wohl besser ohne Leder. So viel Coolheit. Ich hab nur ganz kurz überlegt wie weit der vorne und der hinten wohl fliegen, wenn ein Auto mal eben ausschert oder ein Tier über die Strasse läuft. Passiert aber wohl dann nur einmal.

  3. André S. sagt:

    Bin ja auch Motorradfahrer.
    Aber mein Helm ist auch nicht zu eng.
    Ich denke ja, dass einige Leute einen Helm haben, der zu eng sitzt. Dadurch wird die Blutzufuhr zum Hirn gedrosselt, was entsprechend mit dem Verlust verschiedener Hirnfunktionen einhergeht.
    Nichtdestotrotz: Linksabbieger, die nicht blinken sondern einfach langsamer werden und dann plötzlich abbiegen gibt es leider auch zuhauf. 😦

  4. Silke sagt:

    So einen Einsatz solltest Du mit Fotos dokumentieren und die Bilder Fahrschulen zur Verfügung stellen.

    Ich habe nie die Faszination am Motorradfahren verstanden und fahre gern langweilige Familienkutschen. Aber ich bin eben auch nur en Mädsche 🙂

    • So gern ich es machen würde, scheidet das allein schon aus einsatztaktischen Gründen aus. Vom Politikum, wenn der Helfer zum Spanner wird, ganz abgesehen.
      Ein guter Tip sind immer Einsätze mit Hubschraubern, da hat der Pilot oftmals die Kamera dabei und Zeit, sich umzusehen.

      Die Faszination Motorrad erschließt sich vielleicht beim Mitfahren, vorausgesetzt, es wird kein Horrortrip.

  5. Tante Jay sagt:

    Mädchen, Motorradfahrerin und hab Spaß dran.

    Natürlich ist das ein Risiko. Aber das Leben an sich ist Risiko. Ich heize nicht wie ein Berserker über die Straßen, ich hab meine Schutzkleidung auch bei 38° im Schatten und bei Kurzstrecken an.
    Verkehrsregeln sind nicht erschaffen worden, um mich zu ärgern und meine Freiheit zu behindern.

    Ich fahre gerne, es macht einfach Spaß, über die Straßen zu cruisen, den Wind um die Nase wehen zu lassen und den lieben Gott nen guten Mann sein zu lassen.

    Wenns mich dereinst reißt – je nun. Lebbe geht weider. Vielleicht nicht für mich, vielleicht sehr anders für mich. Weiß man nicht.

    Warum nen Kopf drum machen. Und an alle, die jetzt brüllen, dass ich ein Risiko für die Krankenkassen bin: Raucht ihr? Trinkt ihr Alkohol?

    Das tue ich alles nicht. Und wir sind quitt.

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