bounceback – reloaded (Oder: Ist doch dasselbe!)

Ich wage es ja fast nicht, die nächste Anekdote niederzuschreiben. Jemand, der nicht vom Fach ist könnte mittlerweile in die Verlegenheit kommen, beim Herannahen eines Krankentransport- oder Rettungswagens einfach nur schreiend davonzurennen, selbst wenn ein Bein ab ist.

Aber der Reihe nach.

Es ist Nachmittag (=Spätdienstzeit im Krankenhaus) und wir bringen mal wieder Arbeit. Entsetzt wird gefragt, ob das ein chirurgischer Fall wäre, was wir guten Gewissens verneinen können, da es sich um eine Luftnot handelt.

Sehr gut, kommt die Antwort, denn wir sind chirurgisch komplett raus aus dem Rennen, sagt man mir. Und da ich auch immer alles genau wissen will, frag ich nach, ob das auch für orthopädische Fälle gilt (kann ja sein, daß alle Säle voll Wasser stehen bei dem Pißwetter), was verneint wird. Es handelt sich um ein Personalproblem in der Fleischereifachklinik.

Jut, weiß ich (wissen wir?) Bescheid, gibt ja noch ein paar Kliniken in der Stadt, die Viszeralchirurgie betreiben…

Wir machen einen Zeitsprung ind Richtung Nachtdienst und rücken nach Mitternacht zu einem akuten Bauch aus.

Es imponiert ein Jüngling mit starken Schmerzen im rechten Unterbauch. Raumtemperatur sagt sofort „Blinddarm“, was weder beweisbar, aber auch nicht widerlegbar ist, denn McBurney, Lanz, Rovsing, Blumberg und wie se alle heißen hamwa nich (nicht „negativ“, sondern nich gemacht; Zitat: „Denn komm ma“).

Der Freundin sagt Raumtemperatur, wir fahrn nach KH A, woraufhin ich ob des nicht vorhandenen Chirurgiepersonals Einspruch erhebe. War wieder ein Fehler, weil er hat ganz genau gesehen, daß da ein Arzt war, der ein Skalpell halten kann (Anm.: der Orthopäde) und wir fahren da jetzt hin.

Es kam, wie es kommen mußte, dieses Häufchen Elend auf meinere Trage krümmt sich vor Schmerzen auf der Fahrt. Nur, um dann mitanzuhören, daß er in der Tat nicht aufgenommen werden kann und wir bitteschön (nochmal über die 3 km Holperstrecke) zurück und woanders (nochmal +10 km) hinfahren sollen.

Also wieder eingepackt (laufenderweise, versteht sich, man kennt ihn ja…) und ins B-te Krankenhaus gefahren. Dort Aufnahme Chirurgie, end of story.

Bilanz:

  • 10km nötige Strecke
  • 6km unnötige Strecke
  • 10 Minuten vertane Zeit
  • auf der Hälfte der Strecke so starke Schmerzen, daß man die Augäpfel mit nem Tischbein abkloppen konnte

Do the math…

Achso, ja, auf der Rückfahrt wieder das übliche Lustigmachen über den Patienten („Ey, was fürn weibisches Weichei“ u.ä.) und meine Frage, warum er denn nicht einmal auf mich hören könne, er stand doch daneben.

„Also, jetzt fang nicht schon wieder an. Ich mach das seit 20 Jahren und ich sag Dir, die machen sich nur wichtig. Oder die wollen einfach nicht. Ein Orthopäde is schließlich auch Chirurg!“

Ja, eigentlich richtig. Aber ich würd gern nen Orthopäden sehen, wie er ein Triple-A stopft oder die Nachwirkungen von nem Mesenterialinfarkt freiräumt. Umgekehrt würd ich den viszeralen Schlitzer auch gern mal an der Rekonstruktion von nem Spitzfuß oder bei ner Calcanektomie erleben.

Oder…vielleicht auch lieber nicht. Ich geb Raumtemperatur aber mal den link auf Monsterdocs Ärztetypen.

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3 Responses to bounceback – reloaded (Oder: Ist doch dasselbe!)

  1. ozyan sagt:

    Sag mal, muss ich als Hamburgerin Angst haben, wenn mir mal was passiert? 😉

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