Zoff im Frontoffice

Heut wars dann mal wieder soweit: Ich hab nen Ausraster bekommen.

Mein Beifahrer, der Herr Raumtemperatur schien es schon bei Dienstbeginn darauf angelegt haben, subtil mein an sich schon recht stabiles Nervenkostüm ins Wanken zu bringen.

Ich weiß ja, daß ich, trotz geringerer nominaler Qualifikation der Klügere von uns beiden bin und ich reite darauf auch tunlichst nicht rum. Aber man muß unterscheiden zwischen Intelligenz, Bildung und Benehmen. Und wenn ich beim Frühstück auf einmal seine Käsefüße neben meinem Brötchenteller auf dem Couchtisch erblicke, bin ich schon das erste Mal bedient. Aber nein, ich, der große Deeskalator weise ihn freundlich darauf hin, daß ich es nicht besonders appetitlich finde, bekomme meinen Willen aber erst, als das NEF mir mit weniger subtiler Ausdrucksweise beipflichtet.

Den Wagen check ich mal wieder alleine, logisch, schließlich ist ja der Sani der Assistent vom Rettungsassistenten, da muß ja nur ich wissen, wo alles liegt. Aber Moment mal, heute hat sich doch Raumtemperatur als erstes des Schlüssel geschnappt, dann ist er ja Fahrer und ich der „Doktor“. Naja, schau mer mal.

Als der Pieper das erste mal aufgeht, sitz ich im Auto, hab die „3“ gedrückt, das Protokoll fertig vor-ausgefüllt, meinen Kaffee ohne Hast ausgetrunken und die kurz vor Alarm entfachte Zigarette bis zum Ende geraucht. Ah, Madame bequemt sich auch schon. Mit der Begründung, daß er gehört hat, daß es beim NEF auch gepiept hat, ergo kommt der Doc mit, also bloß keine Eile. WTF?

Mit Wegerecht und (gefühlter) Schrittgeschwindigkeit gehts zum Einsatzort, Pat. mit Z.n. Sturz und (selbstgemessenem) RR 220/120 und immer noch ohne NEF stehen wir in der Wohnung. Ich will gerade den Versuch einer Anamnese inklusive Vitalparameter starten, als Herr Raumtemperatur sagt „Na, dann kommse ma. Wir gehn mal runter ins Auto.“

Selbst in eine hypertensive Krise abgleitend beiße ich auf die Kladde und folge den Beiden, nur um unten dem Notarzt direkt am Wagen in die Arme zu laufen. Anschiß an mich, weil ich keine Vitalparameter genommen hab und ich sage ungern „Der da hat mich nicht gelassen“. Naja, zur Strafe gabs das ganze Programm dann im Auto, inklusive 25mg Urapidil ohne großartige Wirkung.

Nach Ablieferung der erste Raunzer, warum ICH denn dem VOLLIDIOTEN (Notarzt) nicht auf die Finger gehauen hätte, was der sich überhaupt einbilde, hier Medizin in seinem Auto machen zu wollen. Ah, ja. Mal wieder geschluckt und Material aufgefüllt.

Der Rest des Tages läuft so dahin, ich greif mittlerweile nicht mehr zum Nitro, wenn ich nach Alarm länger als 3 Minuten in der Garage stehe und gebe mich im Allgemeinen mit visuellen Vitalparametern zufrieden, wenn es irgend geht. Wobei ich dazu sagen muß, es war wirklich jede Menge Huch-Syndrom dabei.

Dann, mitten in der Nacht ein Herz. Mittfünfziger mit retrosternalen Schmerzen, aussstrahlend in Rücken, Atemnot, Eigenanamnese Schmerzpatient Z.n. Autounfall.

Da es von Hausflur bis RTW wirklich nur 6 Meter sind, bin jetzt bauch ich der Meinung, daß das verträglicher ist als ewiges Umlagern und so hat der Patient bei Eintreffen des Docs schonmal ein EKG, die Sättigung und O2 am Start, während ich den Zugang vorbereite.

Da hör ich doch, wie mein Kollege dem Doktor unseren Patienten nicht als Schmerzpatient mit Kardinalsymptomen für ein AKS, sondern als Angstpatient mit Hyperventilation vorstellt. Da ist mir die erste Ader im Auge geplatzt. Als Zweites schob er die – verständlicherweise sehr besorgte – Ehefrau unsanft mit den Worten „Raus hier, wird zu voll, wenn, dann fahrn wir nach Klinik A“ aus dem RTW. Ich hab mich dann mal erdreistet, ihm ganz leise zu sagen, daß man dies vielleicht auch etwas emphatischer ausdrücken könne…

Als wir dann wieder auf der Wache waren, folgte das große Donnerwetter, was ich mir denn erlaube, seine, aus x-mal mehr Berufsjahren angeeignete Sichtanamnese in Frage zu stellen oder mich im Besisein von Ärzten zu korrigieren und überhaupt würde ich zu jeder Sache, die er macht, immer etwas zu kommentieren haben.

Nun war es vorbei, meine subtile Ausdrucksweise fiel in den Sekundenschlaf, was zu Gunsten des Schalldrucks meiner Stimme ausfiel.

Ja, ich bin um Jahre jünger. Ja, ich bin „nur“ Sani. Und ja, als er schon kranke Leute durch die Gegend geschaukelt hat, hab ich mir grad den ersten Korb in der Schule geholt.

Na und? Wenn er mit seiner manifesten Inkompetenz und seinem eklatant widerwärtigen Verhalten gegenüber Patienten und Angehörigen aufwartet, dann MUSS ich etwas sagen und/oder dagegen handeln. Allein schon deshalb, weil ich im Schadensfall mit drinhänge, zuallererst aber, weil ich nicht dabei sein möchte, wenn er mal jemanden aufgrund seiner Blödheit umbringt.

Meine Fresse, was für ein Idiot!

Es erübrigt sich wohl zu erwähnen, daß der Rest des Dienstes eher einsilbig bis wortlos ablief.

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2 Responses to Zoff im Frontoffice

  1. dadreloaded sagt:

    Ja so einen kenn ich auch… Er ist der Held, hat für einen PKW-Brand (ohne Personenschaden) schonmal das NEF in die 6 gedrückt oder rückt zu einem VU-PKLEMMT als Gruppenführer und Maschinist in Personalunion mit dem ersten fahrzeug (LF 16) 1:1 aus. *seufz*

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